Mein Semester in Heidelberg – die holdselige Perle am Neckar
- Julien Bonnaire
- 11 août 2025
- 5 min de lecture
Dernière mise à jour : 12 août 2025
- August 2025, Julien Bonnaire
Nach einem lehrreichen ersten Semester an der Sorbonne war es für mich an der Zeit, meine Ausbildung im Bereich Übersetzung in einem neuen akademischen und kulturellen Umfeld fortzusetzen.
Ich packte daher meine Koffer und machte mich auf den Weg nach Deutschland, um mich in Heidelberg niederzulassen, einer symbolträchtigen Stadt im Bundesland Baden-Württemberg. Heidelberg liegt im Neckartal, umgeben von grünen Hügeln, und wird oft als eine der romantischsten Städte Deutschlands beschrieben, mit seinem Schloss, das die barocke Altstadt überragt, seinen gepflasterten Gassen und seiner berühmten alten Brücke. Aber Heidelberg ist nicht nur eine malerische Stadt, sondern hat auch eine reiche intellektuelle Vergangenheit.

Die Stadt wurde erstmals 1196 erwähnt, als sie den Pfalzgrafen vom Rhein gehörte, einem Zweig des Hauses Wittelsbach, einer der einflussreichsten Dynastien des Heiligen Römischen Reiches. Unter ihrer Führung wurde Heidelberg nicht nur zu einer strategischen Festung, geschützt durch seine Burg auf dem Königstuhl, sondern auch zu einem Zentrum politischer und kultureller Bedeutung. Der Legende nach entstand Heidelberg am Ufer des Neckars, an der Stelle, an der ein Ritter einer Wassernymphe begegnete. Andere Erzählungen berichten vom Teufel, der das Tal geformt haben soll, bevor sich dort Menschen niederließen. Man erzählt sich, dass der Hügel, auf dem heute die Burg steht, vor langer Zeit mit Heidekraut und Heidelbeersträuchern bewachsen war. Die Einwohner kamen dorthin, um diese Früchte zu pflücken, die so zahlreich waren, dass die Büsche aus der Ferne betrachtet dem Hügel eine blau-violette Färbung verliehen. Eines Tages verliebte sich ein Reisender in diesen Ort und fragte die Dorfbewohner, wie dieser „Blaubeerberg” heiße. Sie antworteten ihm im lokalen Dialekt mit etwas wie „Heidel-berg”, und dieser Name blieb bestehen.

Die 1386 gegründete Universität ist die älteste Deutschlands. Sie spielte eine wichtige Rolle in der europäischen Geistesgeschichte und zog im Laufe der Jahrhunderte namhafte Denker, Wissenschaftler und Schriftsteller an, darunter Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Hannah Arendt, berühmte deutsche Philosophen oder auch den Bruder des berühmten Thomas Mann, Heinrich Mann, der ebenfalls Schriftsteller war. Im Jahr 1518 hielt Martin Luther hier seine „Heidelberger Disputation”, die eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Reformation spielte. Die Stadt inspirierte auch die großen deutschen Romantiker des 19. Jahrhunderts. Seit 2014 ist Heidelberg von der UNESCO zur „Stadt der Literatur” ernannt worden. Hier wandeln die Worte durch die gepflasterten Gassen, getragen von fast 200 Schriftstellern und dem pulsierenden Leben von Verlegern, Buchhändlern, Antiquaren und Übersetzern, die gemeinsam die literarische Seele der Stadt prägen.
Vor diesem historischen und akademischen Hintergrund begann ich den zweiten Teil meines ersten Studienjahres mit der Begeisterung, in eine andere Kultur einzutauchen und gleichzeitig meine Übersetzungskompetenzen zu vertiefen. So studierte ich ein Semester lang am Institut für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Heidelberg. Ich hatte die Möglichkeit, dieses Semester im Rahmen des 4EU+-Programms zu absolvieren. Dank dieser Partnerschaft zwischen der Sorbonne Universität und der Universität Heidelberg, die beide Mitglieder der 4EU+-Allianz sind, konnte ich an der ältesten Universität Deutschlands studieren und so meine Ausbildung fortsetzen.

Dieses Semester hat mir eine neue Perspektive auf das Übersetzungsstudium eröffnet. Während in Paris das Übersetzen überwiegend aus theoretischer, literarischer und stilistischer Sicht behandelt wird, konnte ich in Heidelberg einen Ansatz für das Fachübersetzen kennenlernen. So hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Lehrveranstaltungen zu besuchen, die so unterschiedliche Bereiche wie Fachübersetzungen in Medizin, Verfassunsgrecht und den audiovisuellen Bereich, allgemeine Übersetzungen zu verschiedenen Themen (Geschichte des französischen Kinos, die Meereswelt, die Geschichte der französischen Sprache usw.) sowie Übungen in literarischer und journalistischer Übersetzung, in denen ich Texte bedeutender Autoren wie Franz Kafka oder Bernhard Schlink bearbeiten und dabei die kulturellen und sprachlichen Feinheiten jedes einzelnen Textes herausarbeiten konnte. Außerdem habe ich den Bereich der maschinellen Übersetzung entdecken können: Wir haben verschiedene Systeme getestet, ihre Funktionsweise analysiert und ihre Effizienz mit Hilfe spezieller Software und Skripte bewertet. Dieser technologische Ansatz, der die menschliche Übersetzung ergänzt, ermöglichte es mir, die aktuellen Herausforderungen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz in unserem Fachgebiet besser zu verstehen. Schließlich habe ich meine Kompetenzen durch einen Kurs in Übersetzung vom Französischen ins Englische erweitert. Dieses Semester war auch geprägt von spannenden Vorträgen renommierter Übersetzer und Forscher wie Professor Jörn Albrecht, die ihr Fachwissen teilten und aktuelle Fragen zu den Herausforderungen des Übersetzens aufwarfen.
Ich habe an zahlreichen von der Universität organisierten Ausflügen teilgenommen, darunter auch an einem Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg. Wir waren im Plenarsaal, um einer offiziellen Sitzung beizuwohnen. Dank der Arbeit der Dolmetscher konnten wir die Diskussionen in mehreren Sprachen über Kopfhörer verfolgen: Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, aber auch andere, weniger verbreitete Sprachen. Die Dolmetscher sitzen in ihren Kabinen und übersetzen die Reden der Abgeordneten in Echtzeit. Wir haben Tillman Haak getroffen, der selbst Absolvent des Instituts für Übersetzen und Dolmetschen in Heidelberg ist. Er arbeitet als Dolmetscher für Englisch und Französisch ins Deutsche im Europäischen Parlament. Er stellte uns den Beruf des Dolmetschers vor, erklärte, wie man diesen Beruf ergreift, und ging auf die Besonderheiten des parlamentarischen Dolmetschens ein. Anschließend beantwortete er unsere zahlreichen Fragen, wodurch wir mehr über die Anforderungen und Besonderheiten dieses Berufs erfahren konnten. Wir haben uns auch mit Monika Braje unterhalten, einer Übersetzerin für Deutsch und Absolventin der Universität Hildesheim, die auch mit Englisch, Französisch und Niederländisch arbeitet. Sie hat uns ihren Werdegang vorgestellt und die Aufgaben eines Übersetzers im Europäischen Parlament in Straßburg und Luxemburg beschrieben.


Außerdem habe ich fernab vom hektischen Pariser Leben die friedliche und grüne Atmosphäre Heidelbergs in vollen Zügen genossen, die zum Nachdenken, Schreiben ... und Lesen einlädt. Diese Stadt mit ihrem romantischen Charme hat mich dazu inspiriert, literarische Werke zu entdecken, deren Handlung in Heidelberg stattfindet oder direkt davon inspiriert ist. So habe ich Der Vorleser von Bernhard Schlink wieder gelesen, einen Roman, der stark von der deutschen Zeitgeschichte geprägt ist und in dem viele symbolträchtige Orte der Stadt erwähnt werden. Außerdem habe ich die Romane von Ingrid Noll entdeckt, einer Autorin von Psychokrimis, die in Heidelberg gelebt hat und ihre Geschichten oft dort ansiedelt, wobei sie auf subtile Weise Spannung, schwarzen Humor und Sozialkritik miteinander verbindet.
Ich habe es genossen, durch die malerischen Gassen Heidelbergs zu schlendern, am Ufer des Neckars entlang zu spazieren und die beruhigende Landschaft zu bewundern, die die Stadt zwischen Fluss und Hügeln zu bieten hat. Dieses Semester bot mir auch die Gelegenheit, Süddeutschland besser kennenzulernen, eine Region, die ich noch nicht gut genug kannte, da sich meine bisherigen Aufenthalte auf den Norden des Landes konzentriert hatten. So konnte ich meinen kulturellen und geografischen Horizont erweitern, indem ich mehrere Städte voller Charme und Geschichte erkundete. Ich habe Mainz und Würzburg wiederentdeckt und hatte auch die Gelegenheit, neue Städte wie Esslingen mit seinem perfekt erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern, Rothenburg ob der Tauber, eine echte bayerische Postkartenidylle, Tübingen mit seiner lebhaften Studentenatmosphäre und viele andere zu besuchen.
Fotosammlung
Ich bereite mich gerade darauf vor, nach einem sowohl akademisch als auch persönlich bereichernden Semester nach Paris zurückzukehren. Nachdem ich in diesem Semester sehr gute Ergebnisse erzielt habe, wende ich mich nun dem nächsten Schritt meiner Laufbahn zu: dem Beginn des zweiten Masterjahres an der Sorbonne. Aber dieser Abschied ist kein Ende: Ich verabschiede mich nicht von Heidelberg. Tatsächlich werde ich im nächsten Sommersemester zurückkehren, um meine Masterarbeit zu schreiben. Die Rückkehr in diese Stadt mit ihrer ruhigen Atmosphäre, ihrem anregenden intellektuellen Umfeld und ihren inspirierenden Landschaften wird es mir ermöglichen, unter idealen Bedingungen zu arbeiten und diese bereichernde interkulturelle Erfahrung fortzusetzen.

Und dann strich ich, gleich einem flüchtigen Hauch, mit meinen Händen über den berühmten Heidelberger Affen und vertraute dem leisen Wehen des Windes das Gelübde einer einstigen Rückkehr zu jener holdseligen Perle am Neckar an.





















































































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