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An den Toren der Sorbonne: Mein erstes Semester im Master Übersetzen

Dernière mise à jour : 12 août 2025




- März 2025, Julien Bonnaire


Nachdem ich meinen Bachelor in Englisch und Deutsch zwischen Frankreich und Deutschland abgeschlossen hatte, wollte ich mich einer neuen Herausforderung stellen. Deshalb entschied ich mich für einen Masterstudiengang an der Sorbonne in Paris, diesem renommierten Ort, an dem so viele große Geister studiert haben.

 

Dieser Masterstudiengang in Übersetzung ist eine außergewöhnliche Ausbildung an der Schnittstelle zwischen Literaturübersetzung und Fachübersetzung, die aus einer Zusammenarbeit zwischen der Sorbonne Universität und der Universität Heidelberg in Deutschland im Rahmen der Allianz 4EU+ hervorgegangen ist. Diese Allianz umfasst acht renommierte Einrichtungen in ganz Europa: Die Karlsuniversität Prag, die Universität Heidelberg, die Universität Paris-Panthéon-Assas, die Sorbonne Universität, die Universität Kopenhagen, die Universität Genf, die Universität Mailand und die Universität Warschau.

 

Dieser Studiengang bietet ein akademisches Auslandsstudium in zwei Ländern: Ich habe das erste Semester meines ersten Masterjahres in Paris an der Sorbonne absolviert und werde das zweite Semester an der Universität Heidelberg am Institut für Übersetzen und Dolmetschen verbringen.

 


Place de la Sorbonne, 5. Arrondissement von Paris
Place de la Sorbonne, 5. Arrondissement von Paris

Während meines Semesters in Paris konnte ich voll und ganz in das Leben der Hauptstadt eintauchen und die bedeutenden Orte entdecken, die die Sorbonne zu einer geschichtsträchtigen und prestigeträchtigen Einrichtung machen. Die Sorbonne, die im 13. Jahrhundert von Robert de Sorbon, Kaplan von König Ludwig IX., gegründet wurde, ist eine der ältesten und renommiertesten Universitäten Europas. Ursprünglich handelte es sich um ein theologisches College für arme Studenten, das schnell in die Universität von Paris integriert wurde, die zu einer Hochburg des mittelalterlichen Wissens wurde. Im Laufe der Jahrhunderte haben ihre Gewölbesäle Kardinäle, Philosophen und Schriftsteller gesehen. Ihre von der Zeit gezeichneten Steine tragen das Flüstern der großen theologischen Kontroversen des Mittelalters, die Aufbruchstimmung der Aufklärung und die Kühnheit moderner Geister in sich. Heute ist sie nach wie vor ein Symbol für französische intellektuelle Exzellenz und empfängt Forscher und Studenten aus aller Welt.

 

Entrée campus Malesherbes
Entrée campus Malesherbes

Ich habe auf dem Campus Malesherbes im 17. Arrondissement studiert, hatte aber auch die Gelegenheit, die historischen Säle der Sorbonne zu besuchen, in denen noch immer die Namen derer widerhallen, die dort studiert haben, von Victor Hugo bis Paul Valéry.


 

In akademischer Hinsicht war dieses Semester besonders reichhaltig und anregend. Ich hatte das Privileg, Vorlesungen von anerkannten Persönlichkeiten aus der Welt der Übersetzung zu besuchen: der offiziellen Übersetzerin von Thomas Mann, die für ihre französische Übersetzung von Der Zauberberg mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde; einem Professor, der sich auf Kafka spezialisiert hat und mehrere seiner Werke übersetzt hat; eine Professorin und Übersetzerin, die für das Kulturministerium Frankreichs arbeitet, und eine Germanistin, die ihren Abschluss an der ENS (Die École normale supérieure de Paris) gemacht hat. Jede dieser Begegnungen hat mir geholfen, die Anforderungen, die Feinheiten und die Kreativität besser zu verstehen, die die Kunst des Übersetzens und die Linguistik im Allgemeinen ausmachen.

 

Die Lehrveranstaltungen deckten ein breites Spektrum ab: Übersetzungswissenschaft, Literaturübersetzung, Linguistik, wissenschaftliches Schreiben, Übersetzungs- und Sprachgeschichte, Englisch, Mittelhochdeutsch und vieles mehr. Diese Vielfalt ermöglichte es mir, mir nicht nur fundierte Kenntnisse in Übersetzungswissenschaft und Literatur anzueignen, sondern auch ein historisches Bewusstsein für das Fachgebiet zu entwickeln. So habe ich die Geschichte der Übersetzung von dem Stein von Rosette bis zum Schutzpatron der Übersetzer, Hieronymus von Stridon, über Martin Luther, Schleiermacher oder Novalis durchlaufen.


Darüber hinaus hat mich die vergleichende Literaturwissenschaft in die subtilen Mechanismen der kulturellen Transposition eingeführt, während mir die Sprachwissenschaftskurse ein Verständnis für die Entwicklung und Struktur von Sprachen sowie deren Zugehörigkeit zu verschiedenen Sprachfamilien vermittelt haben. Schließlich hat mich eine Einführung in die Forschung auf das Verfassen meiner zukünftigen Masterarbeit vorbereitet, mit der ich im zweiten Jahr beginnen werde.

 

Bibliothèque Inter-Universitaire de la Sorbonne
Bibliothèque Inter-Universitaire de la Sorbonne

Parallel dazu war dieses Semester von zahlreichen kulturellen Veranstaltungen in Paris geprägt: Treffen mit einer österreichischen Schriftstellerin im Österreichischen Kulturzentrum, Übersetzungsworkshop zu Kafkas Werken im Goethe-Institut oder Besuche großer Pariser Bibliotheken wie der Bibliothèque Inter-Universitaire de la Sorbonne, der Bibliothèque Sainte-Geneviève und der Bibliothèque nationale de France.


Im Rahmen von Übersetzungsworkshops haben wir auch einen Roman der österreichischen Schriftstellerin Laura Freudenthaler übersetzt, Arson, die wir persönlich kennenlernen durften.

 

Dieses erste Semester hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass Übersetzen weit mehr ist als nur die Übertragung von einer Sprache in eine andere: Es ist eine Kunst der Nuancen und der kulturellen Vermittlung, eine Brücke zwischen den Völkern.

 


Alte Aula, Universität Heidelberg
Alte Aula, Universität Heidelberg

Nachdem ich nun mein erstes Semester an der Sorbonne abgeschlossen habe, bereite ich mich darauf vor, den zweiten Teil dieses akademischen Abenteuers an der Universität Heidelberg, der ältesten Universität Deutschlands, zu erleben, wo ich meine Kompetenzen in einem deutschsprachigen Umfeld von höchster Qualität vertiefen und meine internationale Erfahrung weiter ausbauen kann.

 
 
 

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